Bestand
Ansicht Bruderholzspital; ca. 1973; Bild: ProLitteris
Vision
Die Wohnstadt im Grünen
  • Vom Heilraum zum Lebensraum – neue Perspektive für das Bruderholz

    Das Quartier Bruderholz – gelegen auf dem gleichnamigen Hügelzug – zählt mit seinen grosszügigen Grünflächen und der ausgedehnten Villenlandschaft zu den wohlhabenderen Stadtteilen Basels. Es vereint suburbanen Charakter mit unmittelbarer Stadtnähe. Das Areal des Kantonsspitals Baselland liegt eingebettet in eine parkartige Umgebung mit altem Baumbestand am nördlichen Rand des Quartiers.

    Das 1973 eröffnete Kantonsspital Bruderholz war ein Wahrzeichen der Moderne und etablierte sich rasch als fester Bestandteil der Baselbieter Spitallandschaft – sein markantes Bettenhochhaus wurde zur stadtbildprägenden «Krone».

    Doch was wäre, wenn das Spital nicht aufwendig weiterbetrieben,¹ sondern als Raum für neues Leben und Wohnen gedacht würde? Wenn der rigide Betonbau der Hochkonjunkturzeit zu einem Ort gemeinschaftlichen Wohnens und Arbeitens am Stadtrand – mitten in der offenen Landschaft – würde?

    ¹ Seit einiger Zeit wird im Baselbiet über die Zukunft des Kantonsspitals (KSBL) diskutiert, die grundsätzliche Standortfrage ist umstritten. Im Juni 2025 ist ein Wettbewerb für einen Teilneubau des Bruderholzspitals entscheiden worden. Das Projekt «Beletage» von HRS mit dem Architektenteam Itten & Brechbühl AG sieht einen Teilabbruch (Bettenhaus) vor. In Anbetracht der politischen Diskussion wurde das Verfahren pausiert.
  • Ein Vorzeigeprojekt mit Strahlkraft

    Gesamtareal: Urbanes Wohnen im Grünen
    Gesamtareal: Urbanes Wohnen im Grünen

    Das Areal funktioniert wie eine kleine Stadt. Ähnlich bekannten Grosssiedlungen² bietet es Potenzial für ein symbolträchtiges, wirksames und nachhaltiges Projekt. Unterschiedlichste Wohn- und Arbeitsformen könnten hier entstehen – dicht, sozial gemischt, ökologisch und ökonomisch sinnvoll.

    ² Zum Beispiel die Siedlung Liebrüti in Kaiseraugst, AG: Die Überbauung Liebrüti wurde Ende der 70er Jahre im Auftrag des Basler Pharmakonzernes Hoffmann-La Roche erstellt. Der für diese Zeit sehr moderne und komfortable Baukomplex verfügt über insgesamt über 900 grosszügige Wohnungen. Heute leben ca. 2'000 Personen in der ansprechenden und gepflegten Überbauung Liebrüti. Die urban orientierte Bewohnerschaft schätzt die überdurchschnittlich grossen Wohnungen mit günstigen Mietzinsen, die ausserordentlich gute Infrastruktur sowie die gute öffentliche und private Verkehrsanbindung in alle Richtungen.

    Ein energieautarkes, ressourcenschonendes Quartier mit hoher Lebensqualität, aus dem Bestand heraus entwickelt – ein Netto-Null-Projekt mit Vorbildcharakter.

    Die Wohnstadt im Grünen
    Die Wohnstadt im Grünen

    Unsere Studie ist ein erster Entwurf, eine Skizze zur Diskussion. Die starren Strukturen des Spitals bieten überraschend gute Voraussetzungen: vom Clusterwohnen über Familienwohnungen mit Gartenzugang bis hin zu gemeinschaftlichen Wohnformen mit Weitblick.

    Die grosszügigen Eingangshallen lassen sich neu beleben – als gemeinschaftliche Räume, Kindertagesstätten, Ateliers oder Markthallen. Wir stellen uns hier eine Atmosphäre vor wie in der Lobby eines Grandhotels. Dach- und Aussenflächen könnten zu Gemeinschaftsgärten werden, die markante Fassade als photovoltaikbestückter Sonnenfänger dienen.

    Eine Schadstoffsanierung ist onehin notwendig – unabhängig von Abriss oder Erhalt und Umnutzung. Die bestehende Parkierung kann als Mobilitätshub und Velogarage neu gedacht werden. Die Anbindung ans ÖV-Netz ist über eine bestehende Buslinie gesichert.

  • Warum fehlt diese Perspektive in der aktuellen Debatte?

    Die politische Diskussion über die Zukunft der beiden Hauptstandorte findet auf unterschiedlichsten Ebenen statt. Wir massen uns nicht an, in diese Entscheidung einzugreifen – doch es fällt auf, dass eine alternative Nutzung der bestehenden Bauten als Option fehlt.³ Die Bestandsgebäude des Kantonsspitals haben ein grosses Umnutzungspotential!

    ³ Die Diskussion um die Umnutzung der Spitalinfrastruktur aus der Hochkonjunktur wird an unterschiedlichen Orten in der Schweiz geführt. Das Thema gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung: Viele ältere Spitalgebäude entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen (beispielsweise bezüglich Technik, Brandschutz, Energieeffizienz, Pflegekonzept, ...).

    Wir sind überzeugt: Es ist an der Zeit, den Diskurs zu öffnen – für ein radikal nachhaltiges, zukunftsweisendes Quartier vor den Toren der Stadt. Vom Heilraum zum bezahlbaren Lebensraum.